
Programm der Ringvorlesung
Umkämpfte politische Neutralität in Bildung und Wissenschaft
15. April 2026, 18:00 Uhr

Professor Dr. Hubertus Buchstein
Hörsaal 2, Ernst-Lohmeyer-Platz 6
Seit einigen Jahren sind Universitäten sowie auch Schulen von verschiedenen Seiten unter politischen Druck geraten. Einerseits sollen Wissenschaft und Bildung politisch neutral sein, anderseits wird von ihnen die Vermittlung und Verteidigung von demokratischen Werten verlangt. Was verbirgt sich hinter den Klagen über eine angeblich mangelnde politische Neutralität an Universitäten und Schulen? Was genau bedeutet politische Neutralität im Zusammenhang mit Wissenschaft und Bildung? Wie neutral darf die Universität sein, wenn die Grundlagen der Wissenschaftsfreiheit angegriffen werden?
Zeitenwende zwischen Geopolitik, Aufrüstung und nachhaltiger Friedenssicherung
23. April 2026, 18:00 Uhr
Prof. Dr. Jürgen Scheffran
Alfried Krupp Wissenschaftskolleg
Grenzen und Krisen der bestehenden Weltordnung schaffen eine Polykrise verbundener Risiken, mit wachsenden Umweltbelastungen, Gewaltkonflikten, Vertreibungen und Militärausgaben. Geopolitische Rivalitäten um Territorien, Ressourcen und Energie gefährden das Sicherheitsgefüge der Erde ebenso wie Artensterben, Klimawandel und andere planetare Grenzen. Um eine Problemverstärkung durch negative Kipppunkte zu vermeiden, können positive Kipppunkte für die Synergie von Lösungen genutzt werden. Statt einer Zeitenwende für Aufrüstung und Kriegstüchtigkeit braucht es eine Zeitenwende für eine europäische und globale Friedensordnung, die Wege aus der Gewaltspirale aufzeigt. Die sozial-ökologische Transformation zur Bewahrung der planetaren Grenzen geht Hand in Hand mit einer friedlichen Konflikttransformation zu gemeinsamer Sicherheit, Diplomatie, Rüstungskontrolle und Abrüstung, nachhaltige Friedenssicherung erfordert kooperative Governance-Mechanismen unter Einbeziehung von Akteuren im Globalen Süden und der Zivilgesellschaft. Die Ziele für nachhaltige Entwicklung sind eine Grundlage, um die gemeinsame Bewohnbarkeit (Ko-Habitation) der Erde zu gestalten, indem sie den verfügbaren Umweltraum nachhaltig und gerecht nutzt.
Teil der Vortragsreihe „Streitbar — Kontroversen der Demokratie“ des Jungen Kollegs Greifswald
Minority Representation: Why it is so important?
28. April 2026, 18:00 Uhr
Adeola Ogundotun
Alfried Krupp Wissenschaftskolleg
Inclusion is often seen as the core promise of democracy. Nonetheless, deciding who truly belongs and whose voices are heard remains deeply contested. While some minority groups gain political representation more easily, others (such as LGBTQ persons, people with disabilities, and migrants) often remain underrepresented despite living in democratic societies. This talk explores why the representation of contested minorities matters and what it means for the quality and fairness of democracy.
Teil der Vortragsreihe „Streitbar — Kontroversen der Demokratie“ des Jungen Kollegs Greifswald
Universität unter Druck: Wie zeigen wir Haltung in der Krise?
29. April 2026, 18:00 Uhr
Podiumsdiskussion mit Prof. Dr. Katharina Riedel, Dr. Franziska Tanneberger, Dr. Hasmik Hunanyan, Dr. Jenny Linek, Prof. Dr. Stefan Beyerle, Edona Ibiši
Hörsaal 2, Ernst-Lohmeyer-Platz 6
Die Ringvorlesung gibt nicht nur Wissenschaftler:innen das Wort – sie öffnet auch den Raum für jene, die bereits heute unter politischem Druck stehen oder direkt angegriffen werden.
In einer Podiumsdiskussion beleuchten Akteur:innen aus Forschung, Lehre, Verwaltung und der Studierendenschaft in kurzen Schlaglichtern ihre Erfahrungen, Strategien und Forderungen und treten anschließend miteinander in den Austausch. Das Publikum ist ausdrücklich eingeladen, die Debatte mitzugestalten.
Nachrichtendienste in der wehrhaften Demokratie
30. April 2026, 18:00 Uhr
Prof. Dr. Jan Henrik Dietrich
Alfried Krupp Wissenschaftskolleg
Von den im Verborgenen arbeitenden Nachrichtendiensten geht seit jeher eine ambivalente Faszination aus. Mit Spannung werden die Abenteuer britischer oder amerikanischer Agenten verfolgt, mit Schaudern und Bestürzung die Verbrechen von Gestapo und Stasi. Funktionsbedingungen der deutschen Nachrichtendienste der Gegenwart stehen dagegen vergleichsweise selten im Fokus öffentlicher Aufmerksamkeit, sofern nicht gerade ein echter oder vermeintlicher Skandal medial bewegt wird. Der Vortrag nimmt daher die Bedeutung der deutschen Nachrichtendienste für eine wehrhafte Demokratie und ihre Rolle in der deutschen Sicherheitsarchitektur jenseits von Mythos und Ideologie in den Blick.
Teil der Vortragsreihe „Streitbar — Kontroversen der Demokratie“ des Jungen Kollegs Greifswald
Die globale Rechte — Ideologie, Strategie und Auswirkungen auf die Demokratie
6. Mai 2026, 18:00 Uhr
Prof. Dr. Marcel Lewandowski
Hörsaal 2, Ernst-Lohmeyer-Platz 6
Ob Donald Trump in den USA, Fidesz in Ungarn oder die AfD in Deutschland: Parteien der radikalen und extremen Rechten sind nicht nur bei Wahlen erfolgreich. Wo sie an der Macht sind, verändern sie die Demokratie. Die Folge sind oftmals der Rückbau des Rechtsstaats, die Schwächung der Gewaltenteilung und die Untergrabung bürgerlicher Freiheiten. Der Vortrag analysiert Ursachen und Auswirkungen rechter Wahlerfolge und diskutiert mögliche Gegenstrategien.
Wissen in Not – Schützt die Wissenschaftsfreiheit des Grundgesetzes vor wissenschaftsfeindlicher Politik?
20. Mai 2026, 18:00 Uhr
Prof. Dr. Daniel Wolff mit Clara Folger
Hörsaal 2, Ernst-Lohmeyer-Platz 6
Das Wissenschaftssystem steht unter zunehmendem politischem Druck, der seine Freiheit in Frage und seine Resilienz auf die Probe stellt. Kommen wissenschaftsfeindliche Politiker in Regierungsverantwortung, drohen institutionelle, personelle und finanzielle Angriffe auf Forschung und Lehre. Der Vortrag zeigt auf, welche Gefahren im Einzelnen drohen und welchen Schutz das Grundrecht der Wissenschaftsfreiheit ihnen gegenüber bietet.
Kollektive Intelligenz bei Menschen und Tieren
6. Juli 2026, 18:00 Uhr
Prof. Dr. Jens Krause
Alfried Krupp Wissenschaftskolleg
Studien zur kollektiven Kognition liefern zahlreiche Beispiele dafür, wie die effiziente Verbreitung von Informationen innerhalb von Gruppen mit zunehmender Gruppengröße zu Vorteilen führt. Allerdings ist wenig darüber bekannt, ob Gruppen auch maladaptive Informationen wie etwa Fehlalarme verstärken und ob solche Kosten mögliche Vorteile reduzieren. In dieser Studie untersuchten wir wildlebende Fischschwärme, die kollektiv mit Flucht-Tauchbewegungen reagieren, wenn sie von Vögeln angegriffen werden. Wir analysierten die kollektive Reaktion auf Vogelangriffe sowie auf ähnliche, aber harmlose Überflüge in Abhängigkeit von der Schwarmgröße. Größere Schwärme erkannten Räuberangriffe zunehmend besser, während ihre Reaktion auf harmlose Überflüge konstant blieb. Zudem nahm die Entscheidungszeit mit steigender Schwarmgröße ab. Größere Schwärme konnten somit gleichzeitig zwei zentrale Zielkonflikte überwinden, die für individuelle Entscheidungen typisch sind: den Konflikt zwischen richtigen und falschen Alarmen sowie den Konflikt zwischen Geschwindigkeit und Genauigkeit.
Ich werde diese Ergebnisse in den Kontext von Beispielen menschlicher kollektiver Kognition bei ähnlichen Problemen stellen und versuchen, daraus eine allgemeine Definition kollektiver Kognition abzuleiten. Am Ende meines Vortrags werde ich erläutern, wie unsere Arbeiten zur kollektiven Kognition Teil eines umfassenderen Forschungsprogramms zur „Science of Intelligence“ sind, das in unserem gleichnamigen Exzellenzcluster in Berlin entwickelt wird.
Teil der Vortragsreihe „Streitbar — Kontroversen der Demokratie“ des Jungen Kollegs Greifswald

Statement der Universität Greifswald
„Die Universität Greifswald versteht sich als weltoffene Hochschule. Die Freiheit von Forschung und Lehre bildet ein unverzichtbares Fundament unserer Demokratie. Hochschulen sind Orte des offenen Austauschs, der wissenschaftlichen Neugier und des kritischen Denkens. Wissenschaftsfreiheit, Weltoffenheit und Internationalität sind dafür unerlässlich.Deshalb steht die Universität Greifswald entschieden für eine offene, solidarische und freie Wissenschafts- und Hochschulkultur ein. Wenn diese Werte gefährdet sind, handeln wir gemeinsam.”
Rektorat und Senat der Universität Greifswald, 19.11.2025
Über „Hochschulen zeigen Haltung”
Die bundesweite Aktion „Hochschulen zeigen Haltung“ ist im Oktober 2025 als gemeinsame Initiative verschiedener Netzwerke, darunter das Netzwerk Antidiskriminierung an Hochschulen, das Netzwerk Diversity an Hochschulen und die Bundeskonferenz der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten an Hochschulen gestartet.
Gemeinsam möchten die Bündnispartner*innen ein klares Statement und Bekenntnis zu demokratischen Grundwerten vermitteln und zum anderen für die jüngsten politischen Entwicklungen und den von diesen ausgehenden Gefahren für eine demokratische und solidarische Hochschulkultur sensibilisieren.
Hochschulen leben von Vielfalt, Offenheit und kritischem Austausch.Wenn diese Werte in Gefahr geraten, müssen wir gemeinsam handeln.
Weitere Informationen zur Antidiskriminierung und der Gleichstellung an der Universität Greifswald.
E-Mail Signatur „Hochschulen zeigen Haltung”
Sie können eine E-Mail-Signatur zu „Hochschulen zeigen Haltung” herunterladen.
Diese Internetseite hat die Kurz-URL: uni-greifswald.de/haltung-zeigen
