Sprachliche Praktiken in den digitalen Medien sind bisher vorwiegend von Schriftlichkeit geprägt, trotz der Bedeutung von multimodalen Gestaltungsmöglichkeiten, die Nutzerinnen und Nutzer inzwischen bei der Produktion von digitalen Inhalten haben. Ähnlich wie in den meisten anderen kleineren Sprachen Westeuropas befindet sich niederdeutsche Schriftlichkeit in einem Prozess der Neuorientierung. Noch zu Beginn dieses Jahrhunderts zeigten auf Umfragen basierende Studien, dass die Mehrheit der Specherinnen und Sprecher aus unterschiedlichen Gründen zögerten Niederdeutsch auch schriftlich anzuwenden (zum Beispiel Möller, Reershemius 2002). Dieses Verhältnis zur Schriftlichkeit scheint sich seit der Einführung der sozialen Medien zu verändern, obwohl bisher existierende Studien ein eher heterogenes und komplexes Feld beschreiben (zum Beispiel Reershemius 2017; 2024).
Vor diesem Hintergrund sollen folgende Fragen erörtert werden: Zu welchen kommunikativen Zwecken schreiben Sprecherinnen und Sprecher Niederdeutsch? Wie verwenden sie ihre Sprache? Welche Konsequenzen könnten diese sich entwickelnden Schreibpraktiken für die Niederdeutschdidaktik und für Bemühungen um Spracherhalt haben?
Literatur
- Arendt, Birte & Gertrud Reershemius (2024) Digital writing in Low German: Between elite and grassroot literacies. Journal of Multilingual and Multicultural Development, 1-13. doi.org/10.1080/01434632.2024.2354351
- Möller, Freek (2008). Plattdeutsch im 21. Jahrhundert. Bestandsaufnahmen und Perspektiven. Leer: Schuster.
- Reershemius, Gertrud (2002) Bilingualismus oder Sprachverlust? Zur Lage und zur aktiven Verwendung des Niederdeutschen in Ostfriesland am Beispiel einer Dorfgemeinschaft. Zeitschrift für Dialektologie und Linguistik, 163-181.
- Reershemius, Gertrud (2017) Autochthonous heritage languages and social media: writing and bilingual practices in Low German on Facebook. Journal of Multilingual and Multicultural Development 38 (1), 35-49.
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